Zum Musikfest Schloss Weinzierl 2010

Bild vom Schloss Weinzierl

Auch wenn nach dem fulminanten Haydn-Festjahr 2009 in der idyllischen Haydn-Hochburg Weinzierl wieder der Alltag einzieht, soll die Pflege des großen und beglückenden Erbes fortgesetzt werden: Das Zweite Musikfest auf Schloss Weinzierl, dessen Namenszug schon im Jahr 2011 mit der Wiedereröffnung des restaurierten Schlosses eine neue Bedeutungsdimension gewinnen wird, knüpft genau dort an, wo das so freudig an- und aufgenommene Debutfest geendet hat.

Neben Haydns allererstem, in Weinzierl entstandenem Streichquartett, werden drei weitere Schlüsselwerke aus der Kammermusikproduktion des großen Genius loci zu hören sein. Dass mit dem Jahresregenten Schumann, von dem diesmal nicht weniger als sechs große Kammermusikwerke auf dem Programm stehen, gerade ein Genie geehrt wird, dem es an Verständnis für die Größe und Eigenart Haydns gründlich mangelte, soll dabei nicht irritieren: Die größten Geister der Menschheitsgeschichte bieten uns in ihrer wechselseitigen Verkennung ein ebenso verblüffendes wie amüsantes Schauspiel, das den Genuss der Nachgeborenen eher vertiefen als mindern sollte.

Mit zwei großen Klassikern des 20. Jahrhunderts, Bartók und Schostakowitsch, wird zudem auch ganz bewußt ein Kontrapunkt zu dem Schumannschen Fehlurteil gesetzt: Beide waren ganz große Bewunderer und in vieler Hinsicht auch Erben des Haydnschen Vermächtnisses. Freilich darf auch heuer – ganz im Sinne Haydns – die Musik der Gegenwart nicht fehlen: Mit den Tage- und Nachtstücken des 1959 geborenen Wahlsteirers Richard Dünser aus dem Jahr 1988 wird die Haydngemeinde von Weinzierl auch Gelegenheit haben, in die Klänge heutiger Tage und Nächte hineinzulauschen.

Claus-Christian Schuster